Segeln um die Whitsundays
An Bord der Pegasus - Ein australisches Paradies
[...] Nach zwei Nächten in Airlie Beach, bezogen wir am Donnerstagabend auf der 20,6 Meter langen Pegasus Quartier und stachen Richtung Whitsunday Islands in See. Die Pegasus ist ein Segelschiff, das bereits zwei Mal um die Welt gesegelt ist, bevor es restauriert und zum Ausflugsboot für Schnorchler und Taucher umfunktioniert wurde. Zu unserem Glück war das Schiff nicht ausgebucht und wir mussten es lediglich mit elf anderen Gästen teilen: Eine Japanerin, vier Schottinnen, ein australisch-schwedisches Pärchen und eine deutsche Familie, die ebenfalls froh war ein paar Landsleute zum Plaudern an Bord zu haben. Die Stimmung war dementsprechend gut und es wurde ein ausgelassener Abend unter fantastischem Sternenhimmel in einer ruhig gelegenen Bucht. Am nächsten Morgen gab es leckeres Frühstück und dann ging es auch schon zum Whiteheaven Beach, der zum Spazieren, Schwimmen und Sonnenbaden einlud. Besonders die Aussicht von einer höher gelegenen Plattform war genial. Das Meer war strahlendblau, der Strand schneeweiß und umgeben von subtropischem Regenwald. In der Ferne konnte man zahlreiche andere Inseln der Whitsunday Gruppe sehen, die nicht minder einladend aussahen. Später am Tag fuhren wir zum Schnorcheln an ein flach gelegenes Riff. Leider mussten wir selbst zum Schnorcheln Stingersuits tragen (eine Art dünner Tauchanzug), da die Crew meinte, das wäre sicherer. Die Anzüge sollen vor den sehr gefährlichen Box Jellyfishes schützen, auch wenn diese Quallenart im australischen Winter (schon komisch bei 30°+ von Winter zu reden) eigentlich nicht vorkommt. Aber sicher ist sicher und so gingen wir halt im Anzug ins Wasser. Wir sahen ein schönes Riff mit zahlreichen Korallen, Schnecken, Seegurken und natürlich allen möglichen Arten kleiner bunter Fische. Das machte Appetit aufs Tauchen, welches für den nächsten Tag geplant war.
Abends wurde es wieder sehr gemütlich. Ich weiß gar nicht so genau, was mir besser gefallen hat. Die schöne Tour und die Aktivitäten am Tage oder die Abende an Deck, welche mit einem wunderschönen Sonnenuntergang in einer der Buchten begannen und meist sehr spät endeten. Bei chilliger Musik konnte man den einzigartigen Sternenhimmel genießen und entweder seinen Gedanken nachhängen oder sich mit einigen Crew Mitgliedern und Gästen zusammensetzen und den zahlreichen Geschichten lauschen, die ausgetauscht wurden. Für jede Laune fand man ein passendes Plätzchen auf dem Schiff und das Ganze war sehr relaxend.
Am nächsten Tag wurde getaucht. Nach dem Frühstück ging es zum ersten Tauchspot, wo wir nicht vom Schiff, sondern vom Strand aus ins Wasser gingen. Leider war die See an diesem Tag etwas aufgewühlt, so dass die Sicht an dem nur fünf bis zehn Meter tiefen Riff nicht besonders gut war. Aber für den ersten Tauchgang nach circa einem Jahr Pause war es dennoch okay. Wir sahen viele kleine Fische und einen großen Napoleon, welcher hier in Australien wesentlich häufiger zu sehen ist, als z.B. im roten Meer. Nach dem Mittagessen ging es weiter zum zweiten Tauchspot, wobei wir uns jedoch Zeit ließen, um auf „Waljagd“ zu gehen. In der Gegend wurden nämlich in den letzten Wochen fortwährend Buckelwale gesichtet und so erhofften wir uns, auch einen Blick auf diese erhabenen Tiere werfen zu können. Ich saß an Deck und blickte angestrengt aufs Meer. Dann sah ich ihn! Zuerst sah ich nur eine große Fontäne und machte eine der Deutschen darauf aufmerksam. Dann kam auch der riesige Buckel zum Vorschein und ich war mir sicher. Ich zeigte in die Richtung, in der ich den Wal gesichtet hatte und der Skipper steuerte die Pegasus dorthin. Alle kamen an die Reling und starrten circa zehn Minuten angestrengt hinaus. Wer gepennt hatte wurde geweckt und alles war in freudiger Erwartung. Aber der Wal zeigte sich nicht mehr. Gott war ich froh, in der Deutschen, die den Wal auch gesehen hatte, wenigsten einen Zeugen zu haben. Ich musste mir zwar einige Sprüche a la „Ja ja, da hast du wohl noch Sehstörungen vom gestrigen Bier“ anhören, aber das war es dann auch schon. Niedergeschlagen fuhren wir weiter und ich gab meine Hoffnung noch mal einen Wal zu sehen schon auf.
Aber dann hatten wir doch noch Glück. Direkt in der Bucht, in der wir auch zu tauchen beabsichtigten, sahen wir zwei Wale. Eine Mutter mit ihrem Kind. Leider kamen sie nicht näher als 100 Meter an uns heran, aber es war trotzdem sehr schön sie zu beobachten. Nach einiger Zeit verschwanden sie in Richtung offener See und wir suchten uns einen Ankerplatz in der Bucht. Das Meer war immer noch aufgewühlt und so überlegten wir, ob wir den Tauchgang überhaupt machen wollen. Letztendlich entschieden wir uns dann richtig und gingen ins Wasser. Kaum, dass wir abgetaucht waren, hörten wir den Gesang der Wale. Eine hohe Stimme (wahrscheinlich das Waljunge), der immer wieder eine sehr tiefe Stimme (vermutlich die Mutter) antwortete. Das Ganze kann man nicht beschreiben, außer dass es wunderschön und zugleich unheimlich traurig geklungen hat. Die Sicht war zwar wieder schlecht, aber das interessierte mich nicht mehr. Ich war fasziniert von dem Gesang und starrte unentwegt in Richtung offener See, in der Hoffnung diese Kolosse auch noch unter Wasser zu sehen. Das war natürlich nutzlos, zumal man Wale nach Auskunft des Skippers unter Wasser meilenweit hören kann. Aber ich ergab mich der Illusion und hatte einen sehr schönen Tauchgang.
Um den Sonneuntergang zu genießen, fuhren wir anschließend zu einer Insel, vor der eine circa 800 Meter lange Strandzunge ins Meer ragt, welche bei Flut unter der Meeresoberfläche liegt. Dies hat den Effekt, dass sämtliche Spuren, die eventuelle Besucher hinterlassen, immer wieder fortgespült werden und der Strand nach jeder Flut jungfräulich vor einem liegt. Als wir dort ankamen, war lediglich ein Sonnenschirm zu sehen. Hinter diesem lag ein Pärchen, welches wohl von einer der umliegenden Inseln per Boot dorthin gebracht wurde. Ich weiß, dass es ein Pärchen war, weil es von den Mädels, welche mit dem Beiboot zum Strand gebracht wurden, lustigerweise auf frischer Tat ertappt wurde. Urkomisch! Da lassen sie sich extra per Boot auf eine einsame Sandinsel bringen, stellen einen dicken Sichtschutz auf und dann werden sie von einer Horde Segler überrascht, welche unglücklicherweise zur ungünstigsten Zeit an Land übersetzt. Peinlich, peinlich. Und es wurde sogar noch lustiger! Als wir ankamen hatte die Flut bereits eingesetzt und der Strand wurde kleiner und kleiner. Kurz vor Sonnenuntergang war nur noch ein kleiner Kreis aus Sand übrig, auf dem das Pärchen merklich nervös auf und ab lief. Dabei starrten sie ununterbrochen in Richtung der Insel, von der sie offensichtlich übergesetzt worden waren. Ich glaube, sie sahen sich schon schwimmen. Aber dann kam doch noch ein Boot und verdarb uns den Spaß, indem es sie abholte. […]
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