Der Catfish

Beim Angeln sollte man in Australien auf giftige Fische achten


[…] Am nächsten Morgen schaffte Marcus es irgendwie, mich zu einem erneuten Angeltrip zu überreden. Er wollte an die Küste fahren, um dort in der Mündung des Brunswick Rivers sein Glück zu versuchen. An dieser Mündung hatte sich die kleine Touristenstadt Brunswick Heads gebildet, in der wir auch Angelköder kaufen wollten. Gesagt, getan, fuhren wir dorthin und fanden recht schnell ein schönes Fleckchen, an dem wir unsere Angeln auswerfen konnten. Das Wetter war herrlich und bis zum Einbruch der Dunkelheit hatten wir zwei kleine Breamer am Haken. Kaum dass es richtig düster war (wir hatten natürlich wieder nur Marcus’ Feuerzeug und keine Taschenlampe dabei), fing ich erneut einen Fisch. Im Licht des Feuerzeugs begutachteten wir skeptisch die fremdartige Kreatur, die wir als Catfish identifiziert hatten. Vage erinnerte ich mich aus dem Aquarium in Sydney, dass einige dieser Spezies giftig sind. Ich beschloss daher, kein Risiko einzugehen und ihn wieder frei zu lassen. Das war ein Fehler! Kaum hatte ich den Haken los, fing das Miststück wie verrückt zu zappeln an und rammte mir dabei seinen Stachel in den Finger, den ich im Licht des Feuerzeugs natürlich nicht gesehen hatte. ARRRGGG! Innerhalb von Sekunden begann der Finger zu schmerzen, als hätte ein ganzes Heer von Wespen ihre Stacheln in ihm geparkt. Ich dachte, ich muss sterben. Verzweifelt versuchten wir in unserem Angelbuch etwas über Catfische und ihr Gift zu finden. Vergeblich! Also ließen wir alles stehen und liegen und eilten in die Stadt Brunswick Heads, um einen Arzt oder Apotheker zu finden. Marcus war ziemlich nervös und kam sogar auf die verrückte Idee, man könne ja im Fisch and Chips Laden um Hilfe bitten.

Leider waren die Apotheke und die Arztpraxis des Ortes schon geschlossen. Ich fand aber eine Notrufnummer. Dort rief ich an und erzählte dem Arzt, was passiert war. Das erste, was er sagte, ließ mich aufatmen: „Don’t worry, you won’t die...“ Dann kam etwas, das ich schon wusste: „... but it will be very painfull“. Scheiße! Er riet mir, meine Hand in sehr heißes Wasser zu halten, da so das Gift zerstört werde. Heißes Wasser. Woher nehmen und nicht stehlen, wenn man doch den Gaskocher zu Hause gelassen und auf den öffentlich Toiletten meist nur kaltes Wasser zu bekommen ist. Ich sagte also Marcus, er solle unser noch am Fluss liegendes Angelzeug zusammensuchen und begab mich in einen vielversprechend aussehenden großen Pub. Dort erzählte ich meine Geschichte und man versorgte mich kurzerhand mit einem Topf voll heißem Wasser sowie einem Handtuch. Dann setzte man mich vor einen Fernseher, wo ich mir Hunde und Pferderennen ansehen konnte. Die Leute waren super hilfsbereit. Eine Frau unter den Gästen fragte sogar, ob ich einige Nummern hätte, die sie anrufen solle. Ich muss vermutlich wie ein Häufchen Elend ausgesehen haben. Nach ca. 45 Minuten traten wir dann unseren Heimweg an.

Auf der Fahrt wurde es ziemlich schlimm. In Mulumbimbi (der Ort heißt wirklich so) sahen wir ein Hospital und dachten, es könne ja nicht schaden einen Arzt aufzusuchen. Also gingen wir in die Notaufnahme. Dort wurden wir von einer netten Schwester empfangen, die sich meinen Fall anhörte und mir weiteres heißes Wasser brachte. Nach etwa einer Stunde kam der Arzt. Ein ziemlich verlottert aussehender Inder, der mir in seiner fröhlichen Art sehr sympathisch war. Die beiden versorgten mich mit drei (!) Spritzen und zwei Tabletten. Der Arzt fand es außerdem super lustig, dass ich, als europäischer Angler, ausgerechnet einen giftigen Catfish fange. Kichernd meinte er, hier in Australien sei alles giftig. Nach zwei Stunden Aufenthalt im Krankenhaus gaben sie mir noch Schmerztabletten und Salbe mit auf den Weg und ließen mich gehen. Ich musste noch nicht einmal etwas bezahlen. Nichts! Das sollte man mal in einem deutschen Krankenhaus versuchen. Ich weiß aber nicht, ob das hier so üblich ist oder ob die beiden ein Auge zudrückten, weil sie mich mochten. Endlich wieder beim Zelt angekommen, schlief ich innerhalb von fünf Minuten ein. Keine Ahnung was in den Spritzen war. Am nächsten Morgen war der Schmerz zum Glück nur noch ein unangenehmes Pochen. Ungefähr zwei Wochen später habe ich einen kleinen Splitter entfernt, der noch im Finger steckte. Aber auch danach war die verwundete Stelle immer noch dick und tat weh, wenn man darauf drückt. Mal sehen, wann bzw. ob das wieder weg geht. […]

 

Weitere Leseproben:

Vorwort

Segeln um die Whitsundays

Unterwegs nach Cape York