Vorwort

Reisebericht eines Australien Travelers


Wer träumt nicht alles von einer langen, aufregenden Reise, die einen weit über die Grenzen des „normalen“ Pauschalurlaubes bringt. Ausnahmsweise mal nicht zwei Wochen Sonne, Strand und Bequemlichkeit, sondern richtig eintauchen in die Kultur eines Landes und das normale Leben seiner Einwohner. Kein hübsches Hotelzimmer in einem idyllischen Badeort, sondern ein kuscheliger Schlafsack unter einem unendlichen Dach voller fremder Sternenbilder. Fahren, wohin man will, bleiben, solange man will und außer dem eigenen Gewissen niemandem Rechenschaft schuldig sein. Die abgelegensten Winkel eines Landes erkunden, neue Menschen kennen lernen und exotische Tiere in freier Wildbahn bestaunen. Ich jedenfalls träumte schon seit der Schulzeit davon und eines war mittlerweile klar: Es musste bald geschehen. Mein Studium war fast abgeschlossen, etwas Geld war gespart und mein Fernweh nahm ungeahnte Ausmaße an. Ich wollte mir diesen Traum noch vor dem Einstig ins Berufsleben erfüllen. Wann, wenn nicht jetzt? Auch das Reiseziel stand fest: Australien. Der rote Kontinent der Kängurus, mit seinen endlosen Steppen, Wäldern und Küsten, seinen vielseitigen Klimazonen und seinen pulsierenden Metropolen. Dort zog es mich magisch hin.

Während der letzten Monate meines Studiums und besonders während ich mit der Diplomarbeit kämpfte, war Australien Ziel hunderter kleiner „Kurztrips“. Ein weiterer Abschnitt fertig, ein weiteres Kapitel geschrieben, wenn das kein Grund für einen kurzen gedanklichen Urlaub in Australien war, was dann? Ich surfte im Internet, las Reiseführer und verschlang Berichte von anderen Reisenden. Schon bald nahm mein Plan immer mehr Gestalt an. Ich wollte unabhängig sein, das ganze Land erkunden und auch abseits der ausgetretenen Pfade reisen. Dafür braucht man natürlich Zeit, viel Zeit. Acht Monate schwebten mir vor. „Schwebten uns vor“ muss ich wohl sagen, denn im Laufe der Planungen beschloss mein Bruder Marcus mitzukommen. Später wurde aus den acht Monaten sogar ein ganzes Jahr. Wir entschlossen uns nämlich, nach Australien auch noch Neuseeland und einige Südseeinseln zu besuchen. Doch das ist eine andere Geschichte. Über Australien lässt sich schon genug erzählen.

Als Transportmittel kam für uns eigentlich nur ein Geländewagen in Frage. Viele Gegenden in Australien sind nur schwer zugänglich und wenn man auch abgelegene Nationalparks besichtigen will, kommt man um einen Geländewagen nicht herum. Obwohl teurer in der Anschaffung und nicht so komfortabel wie ein Van, war der Gedanke an ein kraftstrotzendes Ungetüm, das einen auch den härtesten Track entlang trägt, einfach zu verlockend. Wir wollten ja schließlich etwas erleben.

Und erlebt haben wir eine ganze Menge. Nicht nur die atemberaubende Schönheit Australiens, sondern auch ein Leben, welches sich so sehr von unserem bisherigen unterscheidet. Wer hätte gedacht, dass ich einmal ein Zelt und einen Geländewagen mein Zuhause nenne? Oder das ich ein Plumpsklo einmal als Luxus bezeichnen würde. Man verändert sich auf einer solchen Reise, wird empfänglicher für die einfachen Dinge des Lebens und lernt viel über sich selbst und seine Umwelt. Egal, ob man nun bei 40°C durch eine rote Zuckerhut-Landschaft wandert, bei Sturm und Minusgraden versucht sein Zelt aufzubauen oder einfach nur gemütlich in einer Dorfkneipe im Outback ein frisch gezapftes Bierchen schlürft. Natürlich läuft dabei nicht immer alles glatt, aber gerade die Missgeschicke und Pannen sind es ja bekanntlich, die einem noch viele Jahre später ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Solche Missgeschicke, aber auch der ganz normale Alltag auf unserer Reise durch Australien, füllen dieses Buch. Ich habe auf unserer großen Fahrt viel geschrieben und versucht meine Eindrücke von Australien und unserem Leben als vagabundierende Camper festzuhalten. Anfangs schrieb ich nur für mich, meine Familie und meine Freunde, mit denen ich in regem Email-Kontakt stand. Doch mit der Zeit wurde mir bewusst, dass auch andere sich für unsere Reise interessierten. Immer öfter bekam ich Feedback von dritten, mir völlig unbekannten Personen. Freunde hatten meine Emails an ihre Bekannten weitergeleitet und diese wiederum zögerten nicht, sie ebenfalls weiterzugeben. So wurde die Leserschaft immer größer und langsam entstand die Idee, ein Buch zu schreiben.

Viele Monate später ist es nun endlich soweit. Aus allen Emails, Aufzeichnungen und Erinnerungen ist ein Buch geworden. Ein Buch, an das ich hohe Anforderungen gestellt habe, denen es hoffentlich gerecht wird. Ich wollte keine Sammlung von Reisetipps oder eine reine Beschreibung von Sehenswürdigkeiten. Reiseführer gibt es schon genug. Ich habe vielmehr versucht, den Charakter eines offenen Briefes, oder eben einer Email, mit dem eines Reiseberichtes zu vermischen und Sie, lieber Leser, einzubeziehen. Wenn es dabei noch Anregungen für Ihre eigene Reise gibt, umso besser. Ich möchte, dass Sie Spaß an diesem Buch haben und zumindest in Ihrer Fantasie mit mir mitreisen. Egal, ob Sie nun schon einmal in Australien waren, immer schon planten dort hinzufahren oder einfach nur Lust am Reisen haben. Folgen Sie mir ins Land der Beuteltiere.

Andreas Liebich

 

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